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Dienstag, 8. Dezember 2015

Krank

Autoren: Wrath James White & Jesus F. Gonzalez
Verlag: Festa (Festa Extrem Band Nr.16)
Preis: 4,99 €
Format: E-Book
Seiten: 152
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Ihr ganzes Leben hat sich Adelle Smith für die Bürgerrechte eingesetzt. Dafür wird sie mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet und erleidet genau an diesem Tag einen Schlaganfall, der sie halbseitig lähmt und ihre Sprachfähigkeit komplett einschränkt. Doch der wahre Alptraum beginnt erst als sie Bekanntschaft mit ihrer Pflegerin Natsinet macht. Diese will Adelle nicht helfen, sondern nutzt die Hilflosigkeit der alten Dame aus, um sie zu foltern. Nun braucht Adelle selbst Hilfe...

Bild vom E-Book Cover
Krank von Wrath James White und Jesus F. Gonzalez
*Dieses Buch enthält sehr gewältige und brutale Szenen, die für Leser unter 18 Jahren oder mit schwachen Magen nicht geeignet sind!


Meine Meinung zum Buch:
Schon als ich das erste Mal das grandiose Cover zu Krank gesehen hatte, war mir klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Auch die Inhaltsangabe klang für mich nach extremen Horror, der mich womöglich an meine Grenzen bringen würde. Ich fühlte mich leicht an Stephen Kings Misery erinnert und hoffte, dass das Autorenduo die Thematik auf ein anderes Level bringen würde. Was ich bekam, war eine Überraschung: mehr Story als Extrem-Horror. Ob dies nun positiv oder negativ zu bewerten ist, bleibt natürlich jedem Leser selbst überlassen.

In Krank gibt es drei Abschnitte: einmal den Prolog, der einen grandiosen Einstieg in die Geschichte schafft. Dann die Hauptgeschichte und zum Schluss den Epilog. 

Der Prolog: Wir erhalten einen kurzen Einblick und Ausblick in Natsinets Leben als Krankenschwester der Intensivstation. Schon hier wird deutlich, dass Natsinet keine "normale" Krankenschwester ist. 

Die Hauptgeschichte: Wir lernen Adelle Smith kennen und erfahren so einiges über ihre Jugend, ihren Wertvorstellungen und ihren Kampf für die Bürgerrechte der Afroamerikaner. Es wird schnell deutlich, dass White und Gonzalez mehr als nur einen "Folter-Roman" schreiben wollen. Sie lassen sich Zeit, um den Charakteren eine gewisse Tiefe zu geben und den Leser in die Thematik der Rassenkämpfe einzuführen. Das dauert bis Kapitel 7 und dann beginnt Natsinet mit der Pflege von Adelle. Die Horrorelemente werden gezielt eingesetzt und überstrapazieren den Leser dadurch nicht. Bei 152 Seiten kommt es schnell zum Showdown. Das Ende fällt relativ mau aus. 

Der Epilog: Tja, schön geschrieben, aber für einen Extrem Band dann doch zu versönlich.

Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen, jedoch fand ich Natsinet ab Mitte des Buches ziemlich anstrengend und nervig. Ihre ständigen, wirren Monologe waren repetitiv und etwas zu klischeehaft. Natürlich waren auch ein paar Logikfehler drin, die ich aber nicht bewerte. Natsinets fehlendes Mitgefühl macht sie zur perfekten Soziopatin. Somit war es für mich auch nicht entscheidend, eine Antwort für ihr Verhalten zu bekommen, obwohl die beiden Autoren dem Leser durchaus Gründe präsentieren wollen. Die Geschichte lässt sich flüssig lesen wie man es von Festa gewohnt ist. 
Da mir das Ende nicht gefallen hat und es Passagen gab, die sich für meinen Geschmack zu oft wiederholt haben, vergebe ich gute 3,5 von 5 Mündern.

Fazit: Eine gute Geschichte, die den Leser mit einer schwierigen und aktuellen Thematik konfrontieren will. Fraglich ist nur, ob es jedem Extrem-Leser gefallen wird. Wer aber mehr Geschichte anstatt reinen Splatter und Gore haben will, ist mit Krank gut beraten. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

Dienstag, 10. November 2015

Amerikkan Gotik

Autor: Markus K. Korb
Verlag: Luzifer-Verlag
Preis: 12,99 €
Seiten: 244
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Amerikkan Gotik ist ein Kurzgeschichten Band mit 9 Geschichten, die alle eines gemeinsam haben: sie sind schaurig spannend und führen den Leser in Amerikas Abgründe.
  1. Abels Rückkehr - Eine etwas andere Hochzeit.
  2. Faulspiel - Wettspiele mit Zombies.
  3. Entfremdung - Kranke Einwandererkinder werden im Krankenhaus isoliert.
  4. Ho-Ho-Ho! - Der Weihnachtsmann bleibt stecken. (E. Allan Poe Einflüsse)
  5. Amerikkan Gotik - Ein Autor will denjenigen finden, der in seinem Namen schlechte Geschichten veröffentlicht. (Stephen King Einflüsse).
  6. Exkurs: Prypjat Requiem - Ein Tourist verläuft sich.
  7. Zwo - Zwei Geschichten werden parallel erzählt. Eine handelt von zwei Männern, die ein in Seenot geratenes Schiff retten sollen. Die andere von einem Jungen, der ein Stück von einem Satelliten mit nach Hause nimmt. (H.P. Lovecraft und Stephen King Einflüsse)
  8. Lost America - Ein Fotograf sucht nach ungewöhnlichen Fotomotiven.
  9. Candyman Jack - Waisenkinder müssen auf einer Farm arbeiten, dessen Besitzer Candyman Jack heißt. (Stephen King und H.P. Lovecraft Einflüsse)
Collage von Buch
Amerikkan Gotik von Markus K. Korb

Meine Meinung zum Buch:
Erstmal ein ganz großes Lob an den Luzifer-Verlag für die liebevolle Gestaltung dieses Buches. In Amerikkan Gotik befindet sich neben den Zeichnungen von Peter Davey im amerikanischen Comic-Stil, auch ein kleines Daumenkino, welches das Lesevergnügen noch zusätzlich steigen lässt.

Allein schon der Titel "Amerikkan Gotik", eine Anspielung auf Grant Woods American Gothic, lässt vermuten, dass es in dieser Kurzgeschichten Sammlung um die Geschichte Amerikas geht. Und Korb legt den Finger dorthin, wo es weh tut. Rassismus, der Völkermord an den Ureinwohnern, der Neonazismus, der gerade in den USA eine ungeheure Anziehungskraft zu haben scheint, die amerikanische Popkultur und deren Kapitalismus sind nur einige der Themen, die Korb aufgreift. Jede Geschichte besticht mit Ideenreichtum und Phantastik. Dabei schafft es Korb spielend leicht den Leser immer wieder zu überraschen und auf eine Lesereise mitzunehmen, die ihn von Anfang an fesselt und gleichzeitig dessen Intelekt herausfordert. Allerdings richtet sich Korbs Blick nicht nur auf Amerika, sondern als Gegenvergleich wird auf die ehemalige UdSSR Bezug genommen.

Der Schreibstil steckt voller Metaphern und ist damit sehr bildhaft und flüssig zu lesen. Die Einflüsse von großen amerikanischen Horror Autoren sind unverkennbar.  Dennoch kupfert Korb nie ab, sondern huldigt seine literarischen Vorbilder, indem er nur auf diese verweist bzw. deren Stil und Figuren subtil aufgreift.

Am besten haben mir die Kurzgeschichten "Faulspiel", "Entfremdung", "Zwo" und "Candyman Jack" gefallen. "Abels Rückkehr" war für mich die schwächste Erzählung der Sammlung und hat dazu geführt, dass ich einen halben Punkt abgezogen habe. Fast jede Geschichte hat einen bitterbösen Twist, der für eine gute Horrorgeschichte dringend notwendig ist. Ab und an war es zwar vorhersehbar, aber es hat meiner Lesefreude keinen Abbruch getan.

"Ich möchte zeigen, was es für Menschen bedeutet, die Opfer von Unmenschlichkeit geworden sind - und auch, was dies mit den Tätern macht." Glückwunsch, dies ist Ihnen gelungen, Herr Korb!
4,5 von 5 Münder.

Fazit:
Eine Leseempfehlung für alle Horrorfans, die es gerne blütig und gemein mögen, aber dennoch intelektuell vom Autor angesprochen werden möchten.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Der Totenerwecker

Autor: Wrath James White
Verlag: Festa Verlag
Preis: 4,99 €
Format: eBook
Seiten: 263 Seiten
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Dale McCarthy hat eine besondere Gabe: er kann Tote wieder zum Leben erwecken. Allerdings nutzt er diese Gabe um andere Menschen bis zum Tod zu quälen und danach wiederzubeleben. Als Dale nach Las Vegas zieht, macht er gleich Bekanntschaft mit seinen Nachbarn Sarah und Josh, die schon bald sein nächstes Opfer werden...

Bild zum eBook
Der Totenerwecker von Wrath James White


*Dieses Buch enthält sehr gewältige und brutale Szenen, die für Leser unter 18 Jahren oder mit schwachen Magen nicht geeignet sind!

Meine Meinung zum Buch:
"Der Totenerwecker" fängt vielversprechend an. Wir lernen Dale als Kind kennen, der mit ansehen muss wie sein Vater auf sehr brutale Weise seine Mutter tötet. White schafft damit einen guten Einstieg in die Geschichte und weckt die Neugier des Lesers. Abgründe tun sich auf als Dale -der Teenager- abnormale Verhaltensweisen aufzeigt. Unvermittelt wird dann nach Las Vegas gewechselt, wo zum ersten Mal Sarah und Josh als Protagonisten auftauchen, die als neuen Nachbarn Dale willkommmen heißen. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass der Autor selber nicht mehr wusste, wo genau die Reise hingehen sollte. White fängt an in eine Klischeefalle nach der anderen hineinzutappen. Sarah bedient jegliche Männerträume. Sie ist die Kumpeline mit der Mann Pferde stehlen kann, die auf Achterbahnen und Waffen steht, und eine unersättliche Nymphomanin. Josh, ihr Ehemann, ist die Sportskanone, der gerne Worten Taten folgen lässt, sprich andere vermöbelt. Lustigerweise versucht der Autor immer wieder diese Klischees aufzuheben, indem Sarah zur harten, taffen Frau und Josh zum ruhigen Teddybären mutiert. Dies führt zu so vielen Widersprüchlichkeiten, dass es schon unfreiwillig komisch ist. 

Beispiel: Mal will Josh den Typen erschiessen, dann ist er aber doch nicht der Typ, um dafür ins Gefängnis zu gehen. Mal ist Sarah total traumatisiert, dann überlegt sie, ob sie einen Minirock ohne Schlüpfer drunter anziehen soll. 

Diese Diskrepanz setzt sich in den Verhaltensweisen der Charaktere fort. Bei einer Shoppingtour wird Geld für Armani Kleidung und Co. ausgegeben, aber man hat dann nicht mehr genug Geld für eine Alarmanlage. Häh??!! Ich muss schon sagen, dass ich teilweise stark am Intellekt des Ehepaares gezweifelt habe. Die Absurditäten gehen weiter als die Cops in Erscheinung treten, die sich teilweise so trottelig anstellen, dass ich nur ungläubig den Kopf schütteln konnte.

Dies alles wäre ok gewesen, wenn der Autor einen gewissen Humor á la Richard Laymon hätte erkennen lassen, aber den konnte ich beim besten Willen nicht finden. Zumal White die Splatter- und Gore-Szenen nur sporadisch aufkämmen lässt, um sich gesellschaftskritischen Themen wie die Immobilienkrise oder den Glauben nach Gott zu widmen. Dabei scheut er auch nicht vor Nekrophilie oder Blasphemie zurück. Man muss ihm wirklich zugutehalten, dass er versucht dem Genre mehr Substanz zu verleihen. Allerdings sind die Passagen viel zu repetitiv und nerven den Leser dadurch. Daran sollte White definitiv arbeiten.

Ein Buch ist nur so gut wie sein Bösewicht und hier offenbart "der Totenerwecker" seine größte Schwäche. Dales Gabe ist zwar furchteinflößend, allerdings ist er als allwissender und genialer Serienmörder eine absolute Null. Ich habe mich nicht vor ihm gefürchtet. Dafür ist er viel zu laienhaft und triebgesteuert vorgegangen. Für mich war Dale nur ein erbärmliches, kleines, feiges Würstchen, der mehr Glück als Verstand zu haben schien. 

Trotz einiger Schwächen war es spannend zu lesen. Teilweise war man als Leser auch frustriert, weil man einfach nicht glauben konnte, dass Dale schon wieder davonkam. 

Das Ende ist ein schönes Highlight mit einem richtigen bitterbösen Twist.

Die Grundidee der Totenerweckung und auch der Schluss waren wirklich gut. Leider hat White zu viele Fragen offen gelassen. Warum hat ausgerechnet Dale diese Gabe? Und warum kann sich Sarah erinnern? Mir hätte es besser gefallen, wenn der Autor sich mehr damit befasst hätte, anstatt die Fragen immer wieder aufzuwerfen und den Leser damit alleine zu lassen.

Alles in Allem würde ich sagen, dass White durchaus ein Autor ist, den man im Auge behalten sollte, der allerdings auch noch besser werden muss, um aus der Schiene "mehr gewollt als gekonnt" rauszukommen.

Fazit:
Leseempfehlung für Horrorleser, die mit Gore und Splatter umgehen können und die Lust haben sich auf ein Experiment einzulassen. Von mir gibt es 3 von 5 Münder, da es mich trotz genannter Schwächen gut unterhalten hat.










Montag, 19. Oktober 2015

Labyrinth der Puppen (Downside #1)

Autor: S.L. Grey
Verlag: Festa Verlag
Preis: 4,99 
Format: eBook
Seiten: 322
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Rhoda entschließt sich Koks von ihrem Dealer zu kaufen. An sich kein Problem. Wenn sie nicht auf diesen Jungen aufpassen müsste, der ansonsten von ihrer Cousine gebabysittet wird. Egal, sie geht trotzdem ins Einkaufszentrum und beschafft sich den Stoff. Allerdings gibt es jetzt nur ein Problem: der Junge ist nicht mehr auffindbar! 
Voller Panik entschließt sich Rhoda den Jungen zu suchen und braucht dafür einen "Guide", der sie durch das Einkaufszentrum führt. Dan ist dafür genau der Richtige, denn erstens arbeitet er im Buchladen und zweitens hat er das Wachpersonal angelogen als er sagte, dass er den Jungen nicht gesehen hat. Rhoda zwingt Dan nach Verkaufsschluss mit ihr durch das Einkaufszentrum zu irren. Doch bald wird beiden klar, dass etwas nicht stimmt. Sie geraten in die unteren Stockwerke, obwohl sie keine Treppen nach unten nehmen. Dann bekommen sie trotz fehlenden Netzempfang, seltsame Nachrichten auf ihr Mobiltelefon gesendet. Und dies ist erst der Anfang des Alptraums...


Bild vom ebook
Labyrinth der Puppen von S.L. Grey
Originaltitel: The Mall

Meine Meinung zum Buch:
"Labyrinth der Puppen" ist der erste Teil der Downside Trilogie vom Autorenduo Sarah Lotz und Louis Greenberg aus Südafrika. Vielen dürfte Sarah Lotz mittlerweile ein Begriff sein, denn mit ihrem Thriller "Die Drei" konnte sie nicht nur Stephen King begeistern.

"Betreten des Marktes auf eigenes Risiko! Die Geschäftsführung übernimmt keine Haftung für Verletzungen durch Verschlucken von Kleinteilen, Verbluten, unerlaubte Amputationen, Diebstahl, Transplantationen, kleine spitze Glassplitter oder Tod"

Die Idee eines Kaufhauses, welches ein Eigenleben entwickelt, fand ich sehr spannend und habe mich dementsprechend auf die Lektüre gefreut.
Dieses Buch hat mich wirklich überrascht. Es bleibt bis zum Schluss unvorhersehbar und ich habe es in zwei Tagen weggelesen. Gerade der Anfang ist besonders stark. Man bekommt teilweise eine richtige Gänsehaut beim Lesen und gleichzeitig muss man des Öfteren schmunzeln, denn das Buch strotzt nur so vor Schwarzem Humor, Sarkasmus und Ironie. 
Ich habe mich an Filme wie The Cube oder Saw erinnert gefühlt. Diese Mischung aus Fantasy und Horrotrip hat mir so gut gefallen, dass ich schon überzeugt war, dass dieses Buch von mir die volle Punktzahl bekommt. 
Allerdings ändert sich die Stilrichtung relativ schnell und als man sich dann in einer Art Parallelkaufhaus befindet, wird der Horror von Bizarrofiction abgelöst. Da ich surreale und absurde Geschichten mag, empfand ich diesen Teil als sehr interessant und einnehmend. Hier wird dem Horrorleser ein bisschen mehr Substanz abverlangt, denn die Kritik am Konsumverhalten und Schönheitswahn der Menschheit, ist unverkennbar. 
Zugegeben, die Idee ist nicht neu, aber deren Umsetzung schon. Mich hat der erhobene Zeigefinger nicht gestört. Was mich allerdings gestört hat, war der zweite Teil der Geschichte. Hier wurde von Bizarrofiction auf Drama gewechselt und auf einmal war jegliche Spannung weg. Man muss aber dem Autorenduo hier zugute halten, dass sie bewusst mit dem Leser spielen. Denn als Leser wünscht man sich die ganze Zeit wieder eine Wendung. 

Der Schreibstil ist angenehm und man kann gut in diese surreale Welt abtauchen. Lotz und Greenberg gelingt es Atmosphäre zu schaffen und gleichzeitig den Hauptcharakteren Dan und Rhoda Ecken und Kanten zu verleihen. Besonders die unterschiedliche ethnische Herkunft der beiden ist spannend, da diese oftmals zu Reibungen zwischen ihnen führt. Dan ist ein weißer Emo und Rhoda eine farbige, abgeklärte Drogensüchtige. Die zwei sind als Antihelden absolut sympathisch. Vor allem Rhoda konnte mein Leserherz gewinnen.

Mir hat die Story im Großen und Ganzen gut gefallen, allerdings hätte sie noch abgedrehter und mehr in die Richtung von Silent Hill gehen können. Dem diesbezüglich geneigten Leser kann ich nur Tote Straßen von Daniela Herbst wärmstens empfehlen. 

Fazit: 
Ein gelungener Genremix aus Horror, Bizarrofiction und Drama. Für Horrorfans, die neben guter Unterhaltung auch etwas Substanz vertragen können. 4 von 5 Münder und ich freue mich schon auf den zweiten Teil, der in einem Krankenhaus spielt. Leseempfehlung für Leser, die mal was anderes lesen wollen. 


Sonntag, 11. Oktober 2015

House of Rain

Autor: Greg F. Gifune
Verlag: Luzifer-Verlag
Preis: 2,99 
Format: eBook
Seiten: 94 Seiten
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Seit seine Ehefrau Kathy gestorben ist, lebt Gordon Cole, ein 72jähriger Vietnamveteran, völlig abgeschottet in einem heruntergekommenen Viertel. Er versucht den Schmerz über ihren Verlust zu betäuben. Doch als es plötzlich anfängt ununterbrochen zu regnen, kommen die Erinnerungen zurück. Erinnerungen an etwas Schreckliches. Gordon muss bald feststellen, dass nicht nur die Erinnerungen zurückgekommen sind, sondern auch jemand, mit dem er eine offene Rechnung zu begleichen hat...


Bild vom eBook
House of Rain von Greg F. Gifune
Meine Meinung zum Buch:
House of Rain ist eine Novelle, die einen bis ins Mark erschüttert. Gifune schafft es mit nur 94 Seiten, den Leser vollkommen perplex und nachdenklich nach dieser Lektüre zurückzulassen. Der Autor hebt das Horrorgenre auf die intellektuelle und anspruchsvolle Ebene und geht dabei so elegant vor, dass es schon fast poetisch wirkt. Tatsächlich hat er mich komplett mit dieser Geschichte überrascht. Es geht um den psychologischen Horror, denn bei Gifune ist der Ort des Verbrechens der Mensch. Diese Novelle handelt von den inneren Dämonen, die einen heimsuchen. Kein Mensch ist nur gut oder nur böse. Es hängt vielmehr von den Menschen in unserer Umgebung und den Umständen ab, in welche Richtung wir uns entwickeln und welche Seite in uns zum Vorschein kommt. Wie kein anderer Autor, schafft es Gifune, genau diesen Zwiespalt zwischen unseren eigenen innerlichen Konflikten aufs Papier zu bringen. 

Wieviel Schuld kann man ertragen? Oder verliert man ab einem gewissen Zeitpunkt jegliches Gefühl für Moral und Gewissen? Machen uns andere Personen zu besseren Menschen? Wenn ja, was passiert, wenn sich uns verlassen? Um diese Fragen dreht sich House of Rain.

"Die Verdammten brennen nicht im Höllenfeuer, sondern im Licht der Wahrheit."
"Denn die Frage ist nicht, ob die Hölle existiert, sondern wo und wie sie existiert"

Der Schreibstil von Gifune ist einzigartig und schwer zu beschreiben. Ich habe bisher nichts Vergleichbares gelesen. Er ist irgendwie nüchtern und sachlich, gleichzeitig unglaublich atmosphärisch und düster. Beim Lesen musste ich immer wieder an eine Mischung aus Gotham und Sin City denken. Dabei kreiert der Autor eine Sogwirkung, der man sich als Leser kaum entziehen kann. Es entstehen dunkle, melancholische Bilder, die so poetisch und frei von jeglichen Kitsch sind, dass sie einen tief bewegen.

Das Ende fordert den Leser intellektuell heraus. Man muss selber entscheiden, was Wirklichkeit, Wahn, Vision oder Alptraum war. Dabei gibt es kein richtig oder falsch. Ich musste an einen meiner Lieblingshorrorfilme Triangle denken. Irgendwie hatte ich eine Endlosschleife im Kopf. Übrigens ist dies kein Spoiler. Keine Sorge. Es ist nur meine Interpretation. 

Fazit: 
Wie bitte?! Sie haben noch keinen Gifune gelesen? Dann haben Sie was verpasst! Absolute Leseempfehlung! LESEN SIE GIFUNE! Für Fans der anspruchsvollen und atmosphärischen Horrorlektüre ein absolutes MUSS! 5 von 5 Münder! 

Wenn ich könnte würde ich sogar mehr geben.

P.S. Ich bin dem LUZIFER VERLAG unendlich dankbar dafür, dass er weitere Titel von diesen großartigen Autor veröffentlicht. Ganz großes Lob!

Montag, 5. Oktober 2015

[TAG] #readmorescarybooks

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Wie ihr die letzten Tage schon mitbekommen habt, mache ich bei der Aktion #readmorescarybooks mit. Dabei soll im Halloween-Monat Oktober nur Horrorbücher gelesen werden. Initiatorin der Aktion ist Chrissie von Chrissieskleinewelt, die sich mit Nici&BooksTheFallingAlice und Aennysbooks zusammengetan hat, um die wunderbare Welt des Horrors zu verbreiten.

Worum geht es bei #readmorescarybooks? 
Die Horrorliteratur wird generell als Trivialliteratur bezeichnet und dementsprechend nicht so oft in Bücherblogs oder auf Booktube erwähnt. Zu Unrecht! Horror kann viel mehr als nur Splatter und Gemetzel. Es kann anspruchsvoll und intelligent sein. Mit dieser Aktion sollt ihr ermutigt werden, euch an Horror heranzuwagen. Dabei könnt ihr selber bestimmen, was ihr lesen möchtet und was für euch Horror ist. Lasst euch inspirieren! 


Die liebe Nici von Nici&Books hat diesbezüglich einen [Tag] veröffentlicht, den ihr euch anschauen solltet. 

5 Fragen an alle, die mitmachen möchten:


1) Was war dein erstes gelesenes Horrorbuch und welches war dein Letztes? 


Mein erstes gelesenes Horrorbuch war Friedhof der Kuscheltiere von Stephen King und mein letztes House of Rain von Greg F. Gifune.


2) Warum liest du Horror?


Gute Frage. Mal überlegen ... Ich habe mich schon immer gern gegruselt. Besonders als Kind hat mich alles morbide und düstere angezogen. Einer meiner Lieblingsserien war die Addams Family. Ich habe auch gern die Filme von Tim Burton gesehen und es war nur eine Frage der Zeit bis ich mich der Horrorliteratur zuwand. Das Gefühl der Spannung, die langsam ansteigt. Die Gänsehaut, die einen auf einmal überkommt. Das flaue Gefühl im Magen, wenn sich die Charaktere "in Gefahr befinden". Die Summe des Ganzen macht den Anreiz aus. 



3) Konntest du schon mal nicht schlafen, hast schlecht geträumt oder Schiss gehabt, nach einer Horrorlektüre?


Oh ja! Ich weiß noch als ich 16 Jahre alt war und mir "ES" von Stephen King gekauft habe. Die Verkäuferin hat mir damals dringend angeraten, das Buch nur tagsüber zu lesen. In meinem Übermut dachte ich nur, dass sie vollkommen übertreibt und anscheinend ein Angsthase ist. Tja, bei meiner Angewohnheit Bücher nachts im Bett zu lesen, konnte es nicht lange gut gehen. Als bei der einen Szene "ES" unterm Bett war, lag ich förmlich paralysiert da. Danach habe ich wochenlang, paranoid wie ich war, unters Bett geschaut, bevor ich mich hingelegt habe. Das Licht blieb auch meistens an ... 


4) Was muss für dich in einem guten Horrorbuch drin sein?


Eine gute Handlung mit ausgearbeiteten Charakteren gepaart mit einer ordentlichen Portion Horror.



5) Was ordnest du dem Genre Horror zu? Welche Unterkategorien kennst du und welche magst du besonders?


Da ist zum einen der psychologische Horror, der sich in unseren Gedanken abspielt oder in den Gedanken des Hauptprotagonisten (Stichwort: Irrenanstalt). Wenn man nicht mehr die Wirklichkeit vom Traum unterscheiden kann oder die inneren Dämonen zum Vorschein kommen. Der Eckelhorror, wo alle möglichen Körperteile zerlegt werden oder alle möglichen Körperflüssigkeiten durch die Gegend spritzen. Und dann gibt es noch den übernatürlichen Horror, wo Monster den Schrecken verbreiten. 

Am liebsten lese ich psychologischen und übernatürlichen Horror. Besonders psyschologischer Horror kann, wenn er gut geschrieben ist, richtig intelligent und anspruchsvoll sein. Aber auch futuristischen Horror in Form von Dystopie finde ich sehr reizvoll und interessant.


Dienstag, 29. September 2015

Das Bildnis des Dorian Gray

Autor: Oscar Wilde
Preis:  gratis
Format: eBook
Seiten: 298
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Der Künstler Basil Hallward erklärt den Jüngling Dorian Gray zu seiner Muse und erschafft, durch dessen Anblick inspiriert, das perfekte Bild. Lord Henry, ein Freund von Basil, verlangt daraufhin den schönen jungen Mann auf dem Bild persönlich kennenzulernen. Durch das Zusammentreffen wird Dorian auf die Vergänglichkeit seiner Jugend aufmerksam gemacht und er fängt an sein Porträt zu beneiden. Dieses wird - im Gegensatz zu ihm - nie altern. Er äußert den verhängnisvollen Wunsch: das Bild möge an seiner Stelle vergreisen ohne zu ahnen, was er damit heraufbeschwört ...

Bild vom ebook
Das Bildnis des Dorian Gray


Meine Meinung zum Buch:
Oscar Wildes Roman ist eine Gesellschaftskritik des 19. Jahrhunderts par excellence. Den Hauptprotagonisten Dorian Gray würde man heute als Lebemann oder Playboy bezeichnen. Zu Beginn des Buches ist er noch recht unbedarft und voller naiver Jugendlichkeit. Dies wandelt sich als er auf Lord Henry Wotton trifft, der zynisch und herablassend auf die Welt blickt. Gray fühlt sich von Lord Henrys Sichtweisen magisch angezogen und verfällt einem Lebensstil, der von Völlerei beherrscht wird. Durch die Gewissheit, dass jede seiner Verfehlungen nur sichtbar in seinem Porträt wahrgenommen werden, verliert Dorian jeglichen Sinn für Moral und sein Gewissen.

Wildes Schreibstil ist eine beeindruckende Prosa. Die Erzählform steckt voller Parabeln, die so wundervoll ausgearbeitet sind, dass der Leser genüsslich in seinen Lesesessel sinkt.

Beispiele:
"Die Erfahrung hat keinerlei ethische Bedeutung. Sie ist nur das Firmenschild, das die Menschen ihren Irrtümern anhängen."

"Das Gehirn hatte seine eigene Nahrung, mit der es sich mästete, und die durch den Schrecken grotesk gemachte Einbildungskraft krümmte sich vor Schmerz wie ein lebendes Wesen, tanzte wie eine widerwärtige Marionette in einer Schaubude und grinste durch bewegliche Masken hindurch."

Lord Henry über gute Vorsätze:
"Sie sind bloße Schecks, die man auf eine Bank ausstellt, bei der man kein Konto hat."

Mein Lieblingssatz;

" Kinder fangen damit an, ihre Eltern zu lieben; wenn sie älter werden, sitzen sie über ihnen zu Gericht, manchmal vergeben sie ihnen auch."

So betörend Wildes Prosa auch ist, besticht dieser Roman vielmehr durch die Provokation. Homosexualität, die Kritik am Schönheitswahn, an der arrangierten Heirat und an der Maßlosigkeit der Oberschicht sind nur einige der Themen, die angesprochen werden.

Das Ende besticht durch Wildes Einfallsreichtum und ist ein absoluter Geniestreich.

Lediglich die Langatmigkeit eines Kapitels, wo Grays Reichtümer aufgezählt wurden, haben bei mir zu einem halben Punkt Abzug geführt.

Fazit: 
Absolute Leseempfehlung! Wilde hält der Gesellschaft den Spiegel vor und hat damit eine zeitlose Geschichte, um einen selbstverliebten Schönling erschaffen, die zum aktuellen Photoshop- und Selfiewahn passt. 4,5 von 5 Münder.





Samstag, 29. August 2015

Tote Straßen

Autor: Daniela Herbst
Format: eBook
Preis: 1,49 €
Seiten: 56
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Der wahre Horror kommt aus der Stille ... 

Unversehens findet sich Sarah in einer düsteren, ausgestorbenen Stadt wieder – nichts am Leib außer Unterwäsche und ohne Erinnerung daran, wie sie dorthin gelangt oder was geschehen ist. Alles scheint feindlich. Alles scheint leblos. Angst schnürt ihr die Kehle zu und schon die ersten Schritte aus ihrem Versteck entwickeln sich bald zu einem Höllentrip, der sie an ihrem Verstand zweifeln lässt. Dass ihr das eigentliche Grauen noch bevorsteht, ahnt sie indes nicht. Denn dort draußen lauert er. Der Fremde. Sein ganzes Interesse gilt Sarah und er hat ihre Spur bereits aufgenommen …





Meine Meinung zum Buch:
Tote Straßen ist eine Horrorkurzgeschichte, die es in sich hat. Daniela Herbst versteht es von der ersten bis zur letzten Seite, den Leser zu fesseln und in diesen skurillen Alptraum mit reinzuziehen.

Zu Beginn treffen wir auf Sarah, die mutterseelenallein in einer fremden Stadt aufwacht. Sie trägt nur Unterwäsche und weiß nicht wie sie dorthin gekommen ist. Als sie sich entschliesst nach Hause zu gehen, nimmt die Geschichte eine unglaubliche Wendung. Ich war fasziniert davon, wie die Autorin zwei Handlungsstränge miteinander verbindet und diese parallel nebeneinander laufen lässt. In einem Kapitel sind wir mit Sarah in der Geisterstadt und in dem anderen lernen wir Dr. Severin kennen. Um zu verstehen was mit Sarah passiert, muss man verstehen was Dr. Severin macht. Mehr will ich dazu nicht verraten. Wie die beiden Geschichten zusammenhängen, müsst ihr selbst herausfinden. 

Für mich war teilweise schon ab dem zweiten Kapitel klar, warum sich Sarah in dieser Situation befindet. Wenn man viel liest und sich mit verschiedenen Themen beschäftigt, kommt man schnell darauf, ohne das es die Schuld der Autorin ist. Herbst spoilert nicht. Ihr Schreibstil ist flüssig, direkt, schnörkellos und bildhaft. Es gibt keine ausufernden Beschreibungen, dennoch schafft sie es den Charakteren eine gewisse Tiefe zu verleihen. Besonders bei Dr. Severin wird dies deutlich.

Der Schluss war auf den Punkt gebracht: genial! Eine Horrorkurzgeschichte soll, zumindest für mich, am Ende den Leser mit einer fiesen Pointe zurücklassen. Und das hat Herbst wahrlich geschafft! 

Ein weiterer Höhepunkt ist die zusätzliche Kurzgeschichte "Fingerübungen", die danach folgt. Diese Geschichte konnte mich mit den biologischen Exkursen, die nach jedem Absatz folgen, vollstens von Herbsts Genialität überzeugen. Auch das Ende dieser Kurzgeschichte war schlichtweg genial! 

Fazit: 
Daniela Herbst hat es geschafft, mich auf nur 56 Seiten umzuhauen. Ich will mehr von ihr lesen. Ich kann nur hoffen, dass sie bald einen Roman oder eine Kurzgeschichtensammlung rausbringt. Einen Fan mehr, hat sie jetzt jedenfalls.

Wer von euch auf surreale, alptraumhafte, bösartige und skurille Welten á la Silent Hill steht, sollte definitv diese Kurzgeschichte lesen. Fünf von Fünf Münder.

Sonntag, 12. Juli 2015

Bird Box

Autor: Josh Malerman
Verlag: Penhaligon
Preis: 19,99 €
Seiten: 320
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Heute ist es soweit. Heute ist der Tag an dem Malorie und ihre zwei Kinder fliehen werden. Sie haben vier Jahre darauf gewartet, dass der Nebel einsetzt. Nun ist er da und er wird ihnen vielleicht die Flucht ermöglichen. Er wird sie alle drei vielleicht, vor dem was da draußen auf sie lauert, beschützen können. Vielleicht ...
Und es gibt ein Problem: sie dürfen auf keinen Fall die Augen öffnen, denn mit dem Sehen kommt der Tod!


Buchfoto
Bird Box von Josh Malerman

Meine Meinung zum Buch:
Was passiert eigentlich, wenn wir uns nicht mehr auf einen unserer wichtigsten Sinne - das Sehen - verlassen können? Wie kommen wir in so einer Welt zurecht?

Wir lernen Malorie und ihre Kinder (beide vier Jahre alt) kennen als sie sich aus ihrem sicheren Versteck raustrauen, um zu fliehen. Malorie ist auf der Suche nach einer besseren Zuflucht. Von da an gibt es Rückblenden in Malories Vergangenheit. Der Leser erfährt wie es zu diesem Weltuntergangsszenario kam. Am Anfang waren es nur ein paar Selbstmorde in Russland. Dann erfuhr man, dass Menschen erstmal andere und danach sich selbst umbrachten. Über den Auslöser für dieses Verhalten wird spekuliert. Es gibt verschiedene Theorien, die alle eines vermuten lassen: man wird verrückt, sobald man ETWAS erblickt. Schon bald taucht dieses Phänomen weltweit auf und die Menschen müssen ihre Fenster verdunkeln, um nichts mehr visuell wahrnehmen zu können.

Mir haben die Rückblenden, obwohl sie eigentlich spoilern, sehr gut gefallen. Die Ungewissheit und die Panik, die durch die Medien verbreitet wird, hat Malerman realistisch geschildert. Es gibt allerhand Theorien und niemand weiß, welche genau zutrifft. Bis man komplett von der Außenwelt abgeschottet daheim sitzt und wartet. Besonders beeindruckt war ich davon wie Malerman durch Dinge, wie einen Hund zu halten oder Radio zu hören, etwas Normalität wiederspiegelt und damit gleichzeitig den Charakteren dadurch Hoffnung und Trost spendet.

Bei Malorie war ich teilweise ziemlich schockiert über den Umgang mit ihren Kindern. Sie ist streng und unerbittlich hart, weil sie deren Überleben sichern will. Leicht genervt war ich, dass sich ihre Gedankengänge des Öfteren wiederholen. Hier hat Malerman leichte Schwächen offenbart, die ich aber nicht als schlimm empfunden habe.

Der Leser bewegt sich wie Malorie in einer Welt, die man nicht sehen darf. Jedes Geräusch wird zur potentiellen Gefahr. Jedes Tier, welches man nicht sehen kann stellt eine Bedrohung dar. Und wie so oft ist der Mensch selbst nicht ungefährlich, denn vielleicht ist er dem Wahnsinn bereits verfallen?! Blind lässt uns Malerman alles hören, was um Malorie herum geschieht und deshalb ist dieses Buch so grandios furchteinflößend. Sehend bewegen wir uns teilweise nur in den Rückblenden.

Das Ende war sehr dramatisch und spannend. Teilweise zu überspitzt, was mich aber nur leicht gestört hat.

Malermans Schreibstil spiegelt die Atmosphäre des Buches wieder: er ist abgehackt, wirkt unterkühlt und drehbuchartig. Und genau dieser Stil versetzt den Leser inmitten des Geschehens. Man hat Bilder vor Augen wie bei einem Film und ich habe mich oft beim Gedanken ertappt, dass ich mir das Buch wunderbar als Verfilmung vorstellen kann. Es ist von Anfang bis Ende spannend und man kann es nicht zur Seite legen. Ein echter Pageturner.

Fazit: Bird Box ist ein unglaublich atmosphärisches Buch, welches seinen Leser sofort in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Ich bin geübter Thriller- und Horror-Leser, weshalb ich schon länger keine Alpträume, nach dem Lesen eines Buches, mehr hatte. Aber Bird Box ist besonders. Nach den ersten hundert Seiten war ich so vertieft in die Geschichte, dass ich davon Alpträume bekam. Malerman hat mit seinem Erstlingsroman ein grandioses Debüt abgeliefert und deshalb von mir 5 von 5 Münder bekommen.


Dienstag, 7. Juli 2015

Revival

Autor: Stephen King
Verlag: Heyne 
Preis: 22,99 €
Seiten: 512
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Man begleitet die Lebensgeschichte von Jamie Morten (mittlerweile 60), der im Alter von 6 Jahren zum ersten Mal auf den Pastor Charles Jacobs trifft. Dieser hat ein ziemlich ungewöhnliches Hobby: Elektrizität. Aufgrund einer Tragödie verliert Charles seinen Glauben und verlässt die Stadt. Jedoch verlässt er nie das Leben von Jamie. Immer wieder kreuzen sich die Wege der beiden und Jamie muss erkennen, dass die Elektrizität mittlerweile für Charles mehr als nur ein Hobby ist. Charles will die Frage aller Fragen lösen und wagt ein unglaubliches Experiment...


Buchfoto
Revival von Stephen King
Meine Meinung zum Buch:
Das Buch hat mich komplett ratlos zurückgelassen. Noch nie hatte ich solche gemischten Gefühle über ein Buch von King. Ich wusste nicht, ob ich es lieben oder hassen, es gut oder schlecht finden sollte. Aufgrund dessen habe ich mir zwei Tage Zeit gelassen, um meine Gedanke diesbezüglich zu sortieren. Über den Schreibstil muss man nicht großartig viel erzählen. King ist ein Meister darin, Charaktere und Orte so anschaulich und plastisch zu beschreiben, dass man vergisst, dass man überhaupt liest. Zudem finden sich immer wieder großartige Sätze im Buch wie zum Beispiel: „Daheim ist dort, wo man will, dass du länger bleibst.“ Jedoch gibt es für mich kleine Unterschiede zu früher. Er verliert sich nicht mehr so in den Details und kommt schneller zum Punkt und der Horror ist fein subtil in die Geschichte miteingewebt. Was mich aber an Revival gewundert hat, waren die ganzen Andeutungen: - Es wird was passieren. Jetzt gleich wird was passieren. Achtung, in zwei Minuten wird was passieren. Moment! Jetzt aber wird was passieren! -

Klar, damit wird die Spannung aufrechterhalten, aber ich konnte bis zur Mitte des Buches nicht so viel damit anfangen und habe mich lange gefragt, was King damit bezweckt. Schicksalsschläge werden dem Leser beiläufig in einem Satz präsentiert. Was tatsächlich, zumindest bei mir, eine Art Schockstarre verursacht hat und später kamen dann die näheren Ausführungen, was genau passiert ist. Da es sich bei Revival um die Lebensgeschichte von Jamie Morten handelt und dieser aus seiner Perspektive die Ereignisse schildert, hängt sehr viel davon ab, dass man diesen Charakter mag. Ist dies nicht gegeben, wird man seine Schwierigkeiten haben, dass Buch zu mögen. Für mich hat King, mehr als in seinen anderen Bücher, persönliche Erfahrungen in Revival miteingebracht. Alkohol- und Drogensucht, die Liebe zum Rock`n`Roll und die Angst vor dem Tod. Wer also kein Rock`n`Roll mag wird sich mit der ersten Hälfte dieses Buches mehr als schwer tun. Ab der zweiten Hälfte legt King aber auf einmal den vierten Gang ein und man wird komplett in die Geschichte gesogen. Die Spannung steigt ins Unermessliche.

Besonders geschockt war ich über den Fanatismus und den Wahnsinn, den Charles Daniels Jacob immer mehr verfällt. Hier sei gesagt, dass es in diesem Buch kein Gut und kein Böse gibt. Man versteht die Beweggründe von Jacobs genauso wie man über die Beweggründe von Jamie bei der Sache mitzumachen teilweise nur den Kopf schütteln kann. Letztendlich ist die Neugier genauso schlimm wie der Fanatismus. Das alles entlädt sich in einem erschreckenden Finale. Hier verneigt sich King vor H.P. Lovecraft und beschreibt ein Szenario, welches den Leser, der sich nicht mit dem Cthulhu-Mythos und dem Buch Necronomicon auskennt, in einer kompletten Ratlosigkeit zurücklässt.

Da ich bereits einige Kurzgeschichten von King kannte u.a. „Briefe aus Jerusalem“, die diese Thematik aufgreifen, wusste ich bereits was mich erwartet. Das Ende lässt den Leser zweifelnd zurück, zumindest ist das King`s Intention. Ich hätte mir allerdings weniger Fantastisches und mehr Schrecken gewünscht. Das Ende war zwar „böse“, jedoch hätte King noch eine Schippe mehr an Bösartigkeit drauflegen können.

Fazit:

Da mich das Ende leicht enttäuscht zurückgelassen hat, aber die Geschichte an sich und auch die Grundidee vom Ende mich beeindruckt haben, gebe ich gute 4 von 5 Münder


Montag, 6. Juli 2015

Christmasland & Wraith

Autor: Joe Hill
Verlag: Heyne
Preis: 24,99 € (Hardcover), 11,99 € (Taschenbuch)

Seiten: 800
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Charlie Manx ist ein sehr böser Mann. Er hat im Laufe seines Lebens über 100 Kinder entführt und ins Christmasland gebracht. Dort herrscht, laut Manx Aussage, ewige Weihnacht. Es gibt jeden Tag heißen Kakao, die Kinder können jeden Tag Geschenke auspacken und jeden Tag mit den verschiedenen Attraktionen des Christmasland fahren. Ja, Christmasland ist der perfekte Freizeitpark … moment mal, jeden Tag? Und genau hier liegt die Besonderheit, wer einmal das Christmasland betritt, kommt nie wieder heraus. Die Kinder verschwinden auf unheimliche Weise und tauchen nie wieder auf, sobald sie in Manx`s Wagen, einen Phantom Wraith Rolls Royce, Baujahr 1935, steigen. Dieser Wagen und Manx sind ein teufliches Team. Vic McQueen ist ein junges Mädchen, welches wie auch Manx, über eine besondere Gabe verfügt. Sie kann verlorene Sachen wiederfinden. Und eines Tages trifft sie auf Manx. Während Vic alles versucht, um die Begegnung mit Manx zu vergessen, lässt Manx nichts unversucht, um sich an Vic zu rächen. Denn mit ihm legt man sich nicht an…

Bücherfotos
Joe Hills Christmasland (Hardcover) und Wraith (Graphic Novel)
Meine Meinung zum Buch: 
Die ersten 300 Seiten des Buches haben mich regelrecht gefangen genommen. Joe Hill verbindet die einzelnen Kapitel auf brillante Weise. Ein Kapitel endet und das letzte Wort erfährt man beim Umblättern, denn das fehlende Wort ist sogleich die Überschrift des nachfolgenden Kapitels. Eine wirklich geniale Idee. Und das jedes Kapitel mit einem passenden Bild eingeläutet wird, ist ein weiteres Highlight. Die Geschichte entfaltet sich rasant und ist packend erzählt. Im ersten Drittel geht es hauptsächlich um die Kindheit von Vic und ihre unheimliche Begegnung mit Manx. Dieser Part hat mir am Besten gefallen. Besonders die Erzählungen aus Vic`s Kindheit als 8jährige haben mich umgehauen. Joe Hill schafft geradezu meisterhaft uns den Charakter von Vic näher zu bringen. Beim Lesen konnte ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, denn ein Vergleich oder sollte ich sagen ein Dejá - Vu - Gefühl zu einem anderen großem Autor, dessen Sohn er ist, taucht unwiderruflich auf. Ganz große Schreibkunst. Die Spannung bleibt trotz einem ruhigen Part in der Mitte erhalten und es geling Joe Hill fast bis zum Ende diese aufrecht zu erhalten. Das Thema im Buch fand ich sehr gut durchdacht von Hill. Es zeugt von einer grandiosen Fantasie. Er erfand im Buch das Wort INGESTALT. Auch den Verweis auf David Mitchells Wolkenatlas fand ich deshalb passend, weil auch dieser in seinem Buch die Realität und Fantasie als V gegenüber stellt. Laut Mitchell laufen beide parallel nebenher bis sie sich irgendwann treffen, deshalb das V. Hier sei noch gesagt, dass es andere Verweise auf Filme, Bücher, Serien gibt.

Alles in allem hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Lediglich die Kraftausdrücke, die mir zum Ende hin zu viel wurden und einige Gedankengänge der Protagonisten, die mir unlogisch erschienen, haben dazu geführt, dass ich 4 von 5 Münder gebe. Es war mir streckenweise zu „freudianisch“ und es kamen doch gerade zum Schluss hin einige Längen auf.

Fazit: Hill beweist mit seiner frechen, direkten und rotzigen Schreibweise, dass er schon jetzt zu den Autoren gehört, die man sich merken muss.


Wraith (Graphic Novel)

Autor: Joe Hill
Verlag: Panini
Preis: 19,99 € (Broschiert)
Seiten: 176
Bewertung:

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Die Geschichte ist vielschichtig und in ihren Zeitsprüngen komplex aufgebaut, die Zeichnungen von Charles Paul Wilson III sind ein echter Hingucker. Sie entfalten ihre wahre Wirkung im Detail. Verspielt, mit einem augenzwinkernden schwarzen Humor und einem Burtonschen Sinn kann man die einzelnen Bilder immer wieder anschauen und dabei neue kleine Details entdecken. Ich habe die Seite mit dem Labyrinth geliebt. Die Zeitsprünge sind als Prolog, Geschichte und Epilog aufgebaut. Besonders die auf einmal auftauchenden Stilrichtung á la Max und Moritz konnte mich begeistern.
Für die Leute, die Christmasland schon gelesen haben, ein Muss! Für die, die Christmasland nocht nicht kennen, ist der Comic genau der Köder, um nun endlich das Buch zu lesen.

Fazit: Zwar kein Vergleich zu Locke and Key, Hills Meisterwerk. 
Hier wird die Vorgeschichte zu einer bereits geschrieben Geschichte erzählt und für mich trotzdem grandiose 5 von 5 Münder wert.