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Dienstag, 10. November 2015

Amerikkan Gotik

Autor: Markus K. Korb
Verlag: Luzifer-Verlag
Preis: 12,99 €
Seiten: 244
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Amerikkan Gotik ist ein Kurzgeschichten Band mit 9 Geschichten, die alle eines gemeinsam haben: sie sind schaurig spannend und führen den Leser in Amerikas Abgründe.
  1. Abels Rückkehr - Eine etwas andere Hochzeit.
  2. Faulspiel - Wettspiele mit Zombies.
  3. Entfremdung - Kranke Einwandererkinder werden im Krankenhaus isoliert.
  4. Ho-Ho-Ho! - Der Weihnachtsmann bleibt stecken. (E. Allan Poe Einflüsse)
  5. Amerikkan Gotik - Ein Autor will denjenigen finden, der in seinem Namen schlechte Geschichten veröffentlicht. (Stephen King Einflüsse).
  6. Exkurs: Prypjat Requiem - Ein Tourist verläuft sich.
  7. Zwo - Zwei Geschichten werden parallel erzählt. Eine handelt von zwei Männern, die ein in Seenot geratenes Schiff retten sollen. Die andere von einem Jungen, der ein Stück von einem Satelliten mit nach Hause nimmt. (H.P. Lovecraft und Stephen King Einflüsse)
  8. Lost America - Ein Fotograf sucht nach ungewöhnlichen Fotomotiven.
  9. Candyman Jack - Waisenkinder müssen auf einer Farm arbeiten, dessen Besitzer Candyman Jack heißt. (Stephen King und H.P. Lovecraft Einflüsse)
Collage von Buch
Amerikkan Gotik von Markus K. Korb

Meine Meinung zum Buch:
Erstmal ein ganz großes Lob an den Luzifer-Verlag für die liebevolle Gestaltung dieses Buches. In Amerikkan Gotik befindet sich neben den Zeichnungen von Peter Davey im amerikanischen Comic-Stil, auch ein kleines Daumenkino, welches das Lesevergnügen noch zusätzlich steigen lässt.

Allein schon der Titel "Amerikkan Gotik", eine Anspielung auf Grant Woods American Gothic, lässt vermuten, dass es in dieser Kurzgeschichten Sammlung um die Geschichte Amerikas geht. Und Korb legt den Finger dorthin, wo es weh tut. Rassismus, der Völkermord an den Ureinwohnern, der Neonazismus, der gerade in den USA eine ungeheure Anziehungskraft zu haben scheint, die amerikanische Popkultur und deren Kapitalismus sind nur einige der Themen, die Korb aufgreift. Jede Geschichte besticht mit Ideenreichtum und Phantastik. Dabei schafft es Korb spielend leicht den Leser immer wieder zu überraschen und auf eine Lesereise mitzunehmen, die ihn von Anfang an fesselt und gleichzeitig dessen Intelekt herausfordert. Allerdings richtet sich Korbs Blick nicht nur auf Amerika, sondern als Gegenvergleich wird auf die ehemalige UdSSR Bezug genommen.

Der Schreibstil steckt voller Metaphern und ist damit sehr bildhaft und flüssig zu lesen. Die Einflüsse von großen amerikanischen Horror Autoren sind unverkennbar.  Dennoch kupfert Korb nie ab, sondern huldigt seine literarischen Vorbilder, indem er nur auf diese verweist bzw. deren Stil und Figuren subtil aufgreift.

Am besten haben mir die Kurzgeschichten "Faulspiel", "Entfremdung", "Zwo" und "Candyman Jack" gefallen. "Abels Rückkehr" war für mich die schwächste Erzählung der Sammlung und hat dazu geführt, dass ich einen halben Punkt abgezogen habe. Fast jede Geschichte hat einen bitterbösen Twist, der für eine gute Horrorgeschichte dringend notwendig ist. Ab und an war es zwar vorhersehbar, aber es hat meiner Lesefreude keinen Abbruch getan.

"Ich möchte zeigen, was es für Menschen bedeutet, die Opfer von Unmenschlichkeit geworden sind - und auch, was dies mit den Tätern macht." Glückwunsch, dies ist Ihnen gelungen, Herr Korb!
4,5 von 5 Münder.

Fazit:
Eine Leseempfehlung für alle Horrorfans, die es gerne blütig und gemein mögen, aber dennoch intelektuell vom Autor angesprochen werden möchten.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Der Totenerwecker

Autor: Wrath James White
Verlag: Festa Verlag
Preis: 4,99 €
Format: eBook
Seiten: 263 Seiten
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Dale McCarthy hat eine besondere Gabe: er kann Tote wieder zum Leben erwecken. Allerdings nutzt er diese Gabe um andere Menschen bis zum Tod zu quälen und danach wiederzubeleben. Als Dale nach Las Vegas zieht, macht er gleich Bekanntschaft mit seinen Nachbarn Sarah und Josh, die schon bald sein nächstes Opfer werden...

Bild zum eBook
Der Totenerwecker von Wrath James White


*Dieses Buch enthält sehr gewältige und brutale Szenen, die für Leser unter 18 Jahren oder mit schwachen Magen nicht geeignet sind!

Meine Meinung zum Buch:
"Der Totenerwecker" fängt vielversprechend an. Wir lernen Dale als Kind kennen, der mit ansehen muss wie sein Vater auf sehr brutale Weise seine Mutter tötet. White schafft damit einen guten Einstieg in die Geschichte und weckt die Neugier des Lesers. Abgründe tun sich auf als Dale -der Teenager- abnormale Verhaltensweisen aufzeigt. Unvermittelt wird dann nach Las Vegas gewechselt, wo zum ersten Mal Sarah und Josh als Protagonisten auftauchen, die als neuen Nachbarn Dale willkommmen heißen. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass der Autor selber nicht mehr wusste, wo genau die Reise hingehen sollte. White fängt an in eine Klischeefalle nach der anderen hineinzutappen. Sarah bedient jegliche Männerträume. Sie ist die Kumpeline mit der Mann Pferde stehlen kann, die auf Achterbahnen und Waffen steht, und eine unersättliche Nymphomanin. Josh, ihr Ehemann, ist die Sportskanone, der gerne Worten Taten folgen lässt, sprich andere vermöbelt. Lustigerweise versucht der Autor immer wieder diese Klischees aufzuheben, indem Sarah zur harten, taffen Frau und Josh zum ruhigen Teddybären mutiert. Dies führt zu so vielen Widersprüchlichkeiten, dass es schon unfreiwillig komisch ist. 

Beispiel: Mal will Josh den Typen erschiessen, dann ist er aber doch nicht der Typ, um dafür ins Gefängnis zu gehen. Mal ist Sarah total traumatisiert, dann überlegt sie, ob sie einen Minirock ohne Schlüpfer drunter anziehen soll. 

Diese Diskrepanz setzt sich in den Verhaltensweisen der Charaktere fort. Bei einer Shoppingtour wird Geld für Armani Kleidung und Co. ausgegeben, aber man hat dann nicht mehr genug Geld für eine Alarmanlage. Häh??!! Ich muss schon sagen, dass ich teilweise stark am Intellekt des Ehepaares gezweifelt habe. Die Absurditäten gehen weiter als die Cops in Erscheinung treten, die sich teilweise so trottelig anstellen, dass ich nur ungläubig den Kopf schütteln konnte.

Dies alles wäre ok gewesen, wenn der Autor einen gewissen Humor á la Richard Laymon hätte erkennen lassen, aber den konnte ich beim besten Willen nicht finden. Zumal White die Splatter- und Gore-Szenen nur sporadisch aufkämmen lässt, um sich gesellschaftskritischen Themen wie die Immobilienkrise oder den Glauben nach Gott zu widmen. Dabei scheut er auch nicht vor Nekrophilie oder Blasphemie zurück. Man muss ihm wirklich zugutehalten, dass er versucht dem Genre mehr Substanz zu verleihen. Allerdings sind die Passagen viel zu repetitiv und nerven den Leser dadurch. Daran sollte White definitiv arbeiten.

Ein Buch ist nur so gut wie sein Bösewicht und hier offenbart "der Totenerwecker" seine größte Schwäche. Dales Gabe ist zwar furchteinflößend, allerdings ist er als allwissender und genialer Serienmörder eine absolute Null. Ich habe mich nicht vor ihm gefürchtet. Dafür ist er viel zu laienhaft und triebgesteuert vorgegangen. Für mich war Dale nur ein erbärmliches, kleines, feiges Würstchen, der mehr Glück als Verstand zu haben schien. 

Trotz einiger Schwächen war es spannend zu lesen. Teilweise war man als Leser auch frustriert, weil man einfach nicht glauben konnte, dass Dale schon wieder davonkam. 

Das Ende ist ein schönes Highlight mit einem richtigen bitterbösen Twist.

Die Grundidee der Totenerweckung und auch der Schluss waren wirklich gut. Leider hat White zu viele Fragen offen gelassen. Warum hat ausgerechnet Dale diese Gabe? Und warum kann sich Sarah erinnern? Mir hätte es besser gefallen, wenn der Autor sich mehr damit befasst hätte, anstatt die Fragen immer wieder aufzuwerfen und den Leser damit alleine zu lassen.

Alles in Allem würde ich sagen, dass White durchaus ein Autor ist, den man im Auge behalten sollte, der allerdings auch noch besser werden muss, um aus der Schiene "mehr gewollt als gekonnt" rauszukommen.

Fazit:
Leseempfehlung für Horrorleser, die mit Gore und Splatter umgehen können und die Lust haben sich auf ein Experiment einzulassen. Von mir gibt es 3 von 5 Münder, da es mich trotz genannter Schwächen gut unterhalten hat.










Mittwoch, 16. September 2015

December Park

Autor: Ronald Malfi
Verlag: Luzifer-Verlag
Preis: 7,99
Format: eBook
Seiten: 500
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Angelo Mazonne, von seinen Freunden nur "Angie" genannt, lebt im kleinen Städtchen Harting Farms in Maryland. Dort machen er und sein Freundeskreis bestehend aus den Jungs Michael, Peter und Scott allen möglichen Unsinn bis die Leiche eines jungen Mädchens im Wald gefunden und schnell klar wird, dass diese nicht das einzige Opfer ist. Die Polizei war bisher davon ausgegangen, dass die vermissten Jugendlichen weggelaufen seien. Nun wird deutlich, dass ein Kindermörder , der von der Presse nur "Piper" genannt wird, sein Unwesen treibt. Als sich Adrian der Jungsclique anschliesst, wird schnell klar, dass nur diese den Serienmörder finden kann. Denn nur sie kennen die entlegensten Orte der Stadt und werden dabei zur nächsten Zielscheibe des "Pipers"...

Bild vom eBook
December Park von Ronald Malfi

Meine Meinung zum Buch:
Mein erster Roman von Ronald Malfi hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Wenn man dieses Buch mit dem Vergleich zu Stephen Kings "ES" bewirbt, dann hat der Leser ziemlich hohe Erwartungen. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

December Park ist in der Ich-Form geschrieben und schildert die Ereignisse aus der Sicht von Angie Mazonne, eines 15 jährigen Jungen, der gerade dabei ist, erwachsen zu werden. Malfi schafft es durch sehr detaillierte Beschreibungen, den Leser in die Welt von Harting Farms zu entführen. Allerdings sind die einzelnen Ereignisse und Orte so genau beschrieben, dass sich der Autor komplett darin verliert und vergisst den Spannungsbogen um die Geschichte des Pipers zu spannen. Den Hauptteil der Geschichte nimmt dadurch die Jungsclique ein, so dass dieser Roman eher eine Hommage an die Freundschaft und die 90er Jahre ist, als ein spannungsgeladener Thriller. Die Handlung um den Serienmörder findet bestenfalls nur am Rande statt. Dies führt auch dazu, dass die Auflösung zum Schluss ziemlich unlogisch, konstruiert und lieblos wirkt. Ich hatte eher das Gefühl, dass Malfi uns irgendeinen Mörder präsentieren wollte, um die Geschichte beenden zu können.

Dabei ist Malfi ein großartiger Autor. Sein Schreibtstil ist bildgewaltig und mitreissend. Man hat sich die ganze Zeit über als Teil der Jungsclique gefüllt und sich nostalgisch an die 90er zurückerinnert.
Als Beispiel würde ich gerne folgende Stelle aus dem Roman zitieren:
"Über den Fernseher im Fenster erfuhren wir von Kurt Cobains Selbstmord und wir alle starrten in fassungslosem Schweigen durch die Scheibe. (...) Es schien, dass die Welt uns - beschäftigt wie wir mit dem Piper gewesen waren - etwas Wichtiges entrissen hatte, als wir gerade nicht hingesehen hatten."

Kritisch sehe ich allerdings die ständigen Wiederholungen, die in den Beschreibungen auftauchen. Hier scheint mir, dass sich Malfi einfach verzettelt hat, so dass Adrians Mutter immer als Zombie und Adrians Brillengläser als zwei riesige Scheinwerfer beschrieben werden. Nicht zu vergessen die Redewendung: "die Augen eines Bluthundes".
Auch konnte Malfi nie wirklich Spannung aufbauen. Jedes Mal, wenn ein Hauch von Spannung erzeugt wurde, war es, ein paar Zeilen später, schon wieder damit vorbei.

Der Epilog hat mich aber zum Schluss wieder milde gestimmt. Selbst wenn es sich kitschig anhört, kann ich nur sagen, dass das letzte Bild, welches Malfi im Kopf des Lesers entstehen lässt, einfach nur wunderschön ist. Ich gebe deshalb noch drei von fünf Münder. 

Fazit:
Wer einen gutgeschriebenen Roman über Freundschaft lesen will, kann mit December Park nichts falsch machen. Wer aber einen spannenden Roman mit einer nachvollziehbaren Handlung lesen will, sollte lieber ein anderes Buch wählen.
Ich werde die Jungsclique nicht so schnell vergessen. Die Geschichte um den Piper allerdings schon ...


Sonntag, 12. Juli 2015

Bird Box

Autor: Josh Malerman
Verlag: Penhaligon
Preis: 19,99 €
Seiten: 320
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Heute ist es soweit. Heute ist der Tag an dem Malorie und ihre zwei Kinder fliehen werden. Sie haben vier Jahre darauf gewartet, dass der Nebel einsetzt. Nun ist er da und er wird ihnen vielleicht die Flucht ermöglichen. Er wird sie alle drei vielleicht, vor dem was da draußen auf sie lauert, beschützen können. Vielleicht ...
Und es gibt ein Problem: sie dürfen auf keinen Fall die Augen öffnen, denn mit dem Sehen kommt der Tod!


Buchfoto
Bird Box von Josh Malerman

Meine Meinung zum Buch:
Was passiert eigentlich, wenn wir uns nicht mehr auf einen unserer wichtigsten Sinne - das Sehen - verlassen können? Wie kommen wir in so einer Welt zurecht?

Wir lernen Malorie und ihre Kinder (beide vier Jahre alt) kennen als sie sich aus ihrem sicheren Versteck raustrauen, um zu fliehen. Malorie ist auf der Suche nach einer besseren Zuflucht. Von da an gibt es Rückblenden in Malories Vergangenheit. Der Leser erfährt wie es zu diesem Weltuntergangsszenario kam. Am Anfang waren es nur ein paar Selbstmorde in Russland. Dann erfuhr man, dass Menschen erstmal andere und danach sich selbst umbrachten. Über den Auslöser für dieses Verhalten wird spekuliert. Es gibt verschiedene Theorien, die alle eines vermuten lassen: man wird verrückt, sobald man ETWAS erblickt. Schon bald taucht dieses Phänomen weltweit auf und die Menschen müssen ihre Fenster verdunkeln, um nichts mehr visuell wahrnehmen zu können.

Mir haben die Rückblenden, obwohl sie eigentlich spoilern, sehr gut gefallen. Die Ungewissheit und die Panik, die durch die Medien verbreitet wird, hat Malerman realistisch geschildert. Es gibt allerhand Theorien und niemand weiß, welche genau zutrifft. Bis man komplett von der Außenwelt abgeschottet daheim sitzt und wartet. Besonders beeindruckt war ich davon wie Malerman durch Dinge, wie einen Hund zu halten oder Radio zu hören, etwas Normalität wiederspiegelt und damit gleichzeitig den Charakteren dadurch Hoffnung und Trost spendet.

Bei Malorie war ich teilweise ziemlich schockiert über den Umgang mit ihren Kindern. Sie ist streng und unerbittlich hart, weil sie deren Überleben sichern will. Leicht genervt war ich, dass sich ihre Gedankengänge des Öfteren wiederholen. Hier hat Malerman leichte Schwächen offenbart, die ich aber nicht als schlimm empfunden habe.

Der Leser bewegt sich wie Malorie in einer Welt, die man nicht sehen darf. Jedes Geräusch wird zur potentiellen Gefahr. Jedes Tier, welches man nicht sehen kann stellt eine Bedrohung dar. Und wie so oft ist der Mensch selbst nicht ungefährlich, denn vielleicht ist er dem Wahnsinn bereits verfallen?! Blind lässt uns Malerman alles hören, was um Malorie herum geschieht und deshalb ist dieses Buch so grandios furchteinflößend. Sehend bewegen wir uns teilweise nur in den Rückblenden.

Das Ende war sehr dramatisch und spannend. Teilweise zu überspitzt, was mich aber nur leicht gestört hat.

Malermans Schreibstil spiegelt die Atmosphäre des Buches wieder: er ist abgehackt, wirkt unterkühlt und drehbuchartig. Und genau dieser Stil versetzt den Leser inmitten des Geschehens. Man hat Bilder vor Augen wie bei einem Film und ich habe mich oft beim Gedanken ertappt, dass ich mir das Buch wunderbar als Verfilmung vorstellen kann. Es ist von Anfang bis Ende spannend und man kann es nicht zur Seite legen. Ein echter Pageturner.

Fazit: Bird Box ist ein unglaublich atmosphärisches Buch, welches seinen Leser sofort in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Ich bin geübter Thriller- und Horror-Leser, weshalb ich schon länger keine Alpträume, nach dem Lesen eines Buches, mehr hatte. Aber Bird Box ist besonders. Nach den ersten hundert Seiten war ich so vertieft in die Geschichte, dass ich davon Alpträume bekam. Malerman hat mit seinem Erstlingsroman ein grandioses Debüt abgeliefert und deshalb von mir 5 von 5 Münder bekommen.


Dienstag, 7. Juli 2015

Revival

Autor: Stephen King
Verlag: Heyne 
Preis: 22,99 €
Seiten: 512
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Man begleitet die Lebensgeschichte von Jamie Morten (mittlerweile 60), der im Alter von 6 Jahren zum ersten Mal auf den Pastor Charles Jacobs trifft. Dieser hat ein ziemlich ungewöhnliches Hobby: Elektrizität. Aufgrund einer Tragödie verliert Charles seinen Glauben und verlässt die Stadt. Jedoch verlässt er nie das Leben von Jamie. Immer wieder kreuzen sich die Wege der beiden und Jamie muss erkennen, dass die Elektrizität mittlerweile für Charles mehr als nur ein Hobby ist. Charles will die Frage aller Fragen lösen und wagt ein unglaubliches Experiment...


Buchfoto
Revival von Stephen King
Meine Meinung zum Buch:
Das Buch hat mich komplett ratlos zurückgelassen. Noch nie hatte ich solche gemischten Gefühle über ein Buch von King. Ich wusste nicht, ob ich es lieben oder hassen, es gut oder schlecht finden sollte. Aufgrund dessen habe ich mir zwei Tage Zeit gelassen, um meine Gedanke diesbezüglich zu sortieren. Über den Schreibstil muss man nicht großartig viel erzählen. King ist ein Meister darin, Charaktere und Orte so anschaulich und plastisch zu beschreiben, dass man vergisst, dass man überhaupt liest. Zudem finden sich immer wieder großartige Sätze im Buch wie zum Beispiel: „Daheim ist dort, wo man will, dass du länger bleibst.“ Jedoch gibt es für mich kleine Unterschiede zu früher. Er verliert sich nicht mehr so in den Details und kommt schneller zum Punkt und der Horror ist fein subtil in die Geschichte miteingewebt. Was mich aber an Revival gewundert hat, waren die ganzen Andeutungen: - Es wird was passieren. Jetzt gleich wird was passieren. Achtung, in zwei Minuten wird was passieren. Moment! Jetzt aber wird was passieren! -

Klar, damit wird die Spannung aufrechterhalten, aber ich konnte bis zur Mitte des Buches nicht so viel damit anfangen und habe mich lange gefragt, was King damit bezweckt. Schicksalsschläge werden dem Leser beiläufig in einem Satz präsentiert. Was tatsächlich, zumindest bei mir, eine Art Schockstarre verursacht hat und später kamen dann die näheren Ausführungen, was genau passiert ist. Da es sich bei Revival um die Lebensgeschichte von Jamie Morten handelt und dieser aus seiner Perspektive die Ereignisse schildert, hängt sehr viel davon ab, dass man diesen Charakter mag. Ist dies nicht gegeben, wird man seine Schwierigkeiten haben, dass Buch zu mögen. Für mich hat King, mehr als in seinen anderen Bücher, persönliche Erfahrungen in Revival miteingebracht. Alkohol- und Drogensucht, die Liebe zum Rock`n`Roll und die Angst vor dem Tod. Wer also kein Rock`n`Roll mag wird sich mit der ersten Hälfte dieses Buches mehr als schwer tun. Ab der zweiten Hälfte legt King aber auf einmal den vierten Gang ein und man wird komplett in die Geschichte gesogen. Die Spannung steigt ins Unermessliche.

Besonders geschockt war ich über den Fanatismus und den Wahnsinn, den Charles Daniels Jacob immer mehr verfällt. Hier sei gesagt, dass es in diesem Buch kein Gut und kein Böse gibt. Man versteht die Beweggründe von Jacobs genauso wie man über die Beweggründe von Jamie bei der Sache mitzumachen teilweise nur den Kopf schütteln kann. Letztendlich ist die Neugier genauso schlimm wie der Fanatismus. Das alles entlädt sich in einem erschreckenden Finale. Hier verneigt sich King vor H.P. Lovecraft und beschreibt ein Szenario, welches den Leser, der sich nicht mit dem Cthulhu-Mythos und dem Buch Necronomicon auskennt, in einer kompletten Ratlosigkeit zurücklässt.

Da ich bereits einige Kurzgeschichten von King kannte u.a. „Briefe aus Jerusalem“, die diese Thematik aufgreifen, wusste ich bereits was mich erwartet. Das Ende lässt den Leser zweifelnd zurück, zumindest ist das King`s Intention. Ich hätte mir allerdings weniger Fantastisches und mehr Schrecken gewünscht. Das Ende war zwar „böse“, jedoch hätte King noch eine Schippe mehr an Bösartigkeit drauflegen können.

Fazit:

Da mich das Ende leicht enttäuscht zurückgelassen hat, aber die Geschichte an sich und auch die Grundidee vom Ende mich beeindruckt haben, gebe ich gute 4 von 5 Münder


Montag, 6. Juli 2015

Christmasland & Wraith

Autor: Joe Hill
Verlag: Heyne
Preis: 24,99 € (Hardcover), 11,99 € (Taschenbuch)

Seiten: 800
Bewertung:

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Kurzbeschreibung:
Charlie Manx ist ein sehr böser Mann. Er hat im Laufe seines Lebens über 100 Kinder entführt und ins Christmasland gebracht. Dort herrscht, laut Manx Aussage, ewige Weihnacht. Es gibt jeden Tag heißen Kakao, die Kinder können jeden Tag Geschenke auspacken und jeden Tag mit den verschiedenen Attraktionen des Christmasland fahren. Ja, Christmasland ist der perfekte Freizeitpark … moment mal, jeden Tag? Und genau hier liegt die Besonderheit, wer einmal das Christmasland betritt, kommt nie wieder heraus. Die Kinder verschwinden auf unheimliche Weise und tauchen nie wieder auf, sobald sie in Manx`s Wagen, einen Phantom Wraith Rolls Royce, Baujahr 1935, steigen. Dieser Wagen und Manx sind ein teufliches Team. Vic McQueen ist ein junges Mädchen, welches wie auch Manx, über eine besondere Gabe verfügt. Sie kann verlorene Sachen wiederfinden. Und eines Tages trifft sie auf Manx. Während Vic alles versucht, um die Begegnung mit Manx zu vergessen, lässt Manx nichts unversucht, um sich an Vic zu rächen. Denn mit ihm legt man sich nicht an…

Bücherfotos
Joe Hills Christmasland (Hardcover) und Wraith (Graphic Novel)
Meine Meinung zum Buch: 
Die ersten 300 Seiten des Buches haben mich regelrecht gefangen genommen. Joe Hill verbindet die einzelnen Kapitel auf brillante Weise. Ein Kapitel endet und das letzte Wort erfährt man beim Umblättern, denn das fehlende Wort ist sogleich die Überschrift des nachfolgenden Kapitels. Eine wirklich geniale Idee. Und das jedes Kapitel mit einem passenden Bild eingeläutet wird, ist ein weiteres Highlight. Die Geschichte entfaltet sich rasant und ist packend erzählt. Im ersten Drittel geht es hauptsächlich um die Kindheit von Vic und ihre unheimliche Begegnung mit Manx. Dieser Part hat mir am Besten gefallen. Besonders die Erzählungen aus Vic`s Kindheit als 8jährige haben mich umgehauen. Joe Hill schafft geradezu meisterhaft uns den Charakter von Vic näher zu bringen. Beim Lesen konnte ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, denn ein Vergleich oder sollte ich sagen ein Dejá - Vu - Gefühl zu einem anderen großem Autor, dessen Sohn er ist, taucht unwiderruflich auf. Ganz große Schreibkunst. Die Spannung bleibt trotz einem ruhigen Part in der Mitte erhalten und es geling Joe Hill fast bis zum Ende diese aufrecht zu erhalten. Das Thema im Buch fand ich sehr gut durchdacht von Hill. Es zeugt von einer grandiosen Fantasie. Er erfand im Buch das Wort INGESTALT. Auch den Verweis auf David Mitchells Wolkenatlas fand ich deshalb passend, weil auch dieser in seinem Buch die Realität und Fantasie als V gegenüber stellt. Laut Mitchell laufen beide parallel nebenher bis sie sich irgendwann treffen, deshalb das V. Hier sei noch gesagt, dass es andere Verweise auf Filme, Bücher, Serien gibt.

Alles in allem hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Lediglich die Kraftausdrücke, die mir zum Ende hin zu viel wurden und einige Gedankengänge der Protagonisten, die mir unlogisch erschienen, haben dazu geführt, dass ich 4 von 5 Münder gebe. Es war mir streckenweise zu „freudianisch“ und es kamen doch gerade zum Schluss hin einige Längen auf.

Fazit: Hill beweist mit seiner frechen, direkten und rotzigen Schreibweise, dass er schon jetzt zu den Autoren gehört, die man sich merken muss.


Wraith (Graphic Novel)

Autor: Joe Hill
Verlag: Panini
Preis: 19,99 € (Broschiert)
Seiten: 176
Bewertung:

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Die Geschichte ist vielschichtig und in ihren Zeitsprüngen komplex aufgebaut, die Zeichnungen von Charles Paul Wilson III sind ein echter Hingucker. Sie entfalten ihre wahre Wirkung im Detail. Verspielt, mit einem augenzwinkernden schwarzen Humor und einem Burtonschen Sinn kann man die einzelnen Bilder immer wieder anschauen und dabei neue kleine Details entdecken. Ich habe die Seite mit dem Labyrinth geliebt. Die Zeitsprünge sind als Prolog, Geschichte und Epilog aufgebaut. Besonders die auf einmal auftauchenden Stilrichtung á la Max und Moritz konnte mich begeistern.
Für die Leute, die Christmasland schon gelesen haben, ein Muss! Für die, die Christmasland nocht nicht kennen, ist der Comic genau der Köder, um nun endlich das Buch zu lesen.

Fazit: Zwar kein Vergleich zu Locke and Key, Hills Meisterwerk. 
Hier wird die Vorgeschichte zu einer bereits geschrieben Geschichte erzählt und für mich trotzdem grandiose 5 von 5 Münder wert.